PR in der „neuen Normalität“: Ein Jahr Corona und kein Ende in Sicht



Mit dem ersten Lockdown in Deutschland vor über zwölf Monaten hat sich das Arbeitsleben und damit auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit grundlegend verändert. Viele Unternehmen haben zumindest einen Teil ihrer Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Messen, Kongresse, Pressekonferenzen, Interviews, Bewerbungsgespräche und andere persönlichen Kontakte mussten als digitale Version neu erfunden werden. Und für das eine oder andere Unternehmen kommt jede Kommunikation zu spät. Unser Team blickt zurück auf ein Jahr des Wandels und gibt gleichzeitig einen Ausblick auf die „neue Normalität“ in der PR.


Wie hat sich die PR in den vergangenen zwölf Monaten verändert?

Janin

Viele Branchen haben massiv mit den (wirtschaftlichen) Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen. Dies macht sich auch in der PR bemerkbar. Kreative Ideen sind gefragt, um weiterhin auf sich aufmerksam machen zu können. Für die PR bedeutet dies, verstärkt auf digitale Maßnahmen zu setzen, auch einmal neue Wege zu gehen, spannende Geschichten zu finden und sie für die unterschiedlichen Formate aufzubereiten. Egal ob Whitepaper, Webinare, Tutorials, Podcasts, Videos oder Social-Media-Postings, Tools gibt es viele. Insbesondere Bewegtbild und Podcasts spielen aber in Zeiten von Lockdown und Social Distancing eine wichtige Rolle, um Emotionen zu vermitteln und Nähe zur Zielgruppe aufzubauen. Dank Microsoft Teams, Zoom, Webex und vielen weiteren Videotools können außerdem vormals reine Präsenzveranstaltungen nun problemlos in digitale Formate überführt werden.


Wie hat sich deine Arbeit durch Homeoffice verändert?

Stefan

Die größte Veränderung ist die deutliche Zunahme an Videokonferenzen und Telefonaten sowie WhatsApp, Slack und Co., da die meisten persönlichen Kundentermine entfallen und auch der Kontakt mit den Kollegen ein zumeist virtueller geworden ist. Damit diese Termine produktiv verlaufen, ist eine gute Vor- und Nachbereitung wichtig. Wir haben aber im Vergleich zu anderen Branchen das große Glück, dass die meisten unserer Tätigkeiten – neben Kreativität und Können – „nur“ Computer, Handy und Internet erfordern. Da Pressekonferenzen und -gespräche beim Kunden oder auf Veranstaltungen und Messen aktuell nicht möglich sind, bieten hier virtuelle Formate und Interviews einen Ersatz. Das nutzen wir sehr intensiv und dank guter Netzwerke zu den Journalisten auch erfolgreich. Ich würde also sagen, dass trotz allem eine professionelle Kundenbetreuung ohne Abstriche möglich ist.


Werden sich virtuelle Messen und Konferenzen langfristig etablieren?

Kevin

Es gibt sicher vereinzelte Events, bei denen es Sinn macht, auch nach der Pandemie nur virtuell zusammenzukommen. Doch vielen Menschen ist der persönliche Austausch wichtiger, als eine Messe vom Sofa aus besuchen zu können. Trotzdem werden uns digitale Formate weiterhin begleiten. Ich rechne damit, dass viele Messen und Konferenzen in Zukunft auf ein hybrides Konzept setzen und geeignete Online-Formate entwickeln. Als Vorreiter in diesem Bereich (schon vor der Pandemie), wäre die re:publica in Berlin zu nennen. Voraussetzung für die weitere Etablierung der digitalen & hybriden Messen ist allerdings, die Formate auf Grundlage von Evaluationen weiterzuentwickeln und den Nutzwert für alle Beteiligten zu erhöhen.


Wie hat sich das Netzwerken verändert?

Felix

Der persönliche und oft spontane Kontakt, zum Beispiel auf Veranstaltungen, fehlt und ist nicht auf digitalem Weg ersetzbar. Das Netzwerken ist in der Sache aber auch konkreter geworden. Jeder schöpft verstärkt aus seinem Bekanntenpool, nutzt seine Kontakte noch einmal intensiver telefonisch oder per Videokonferenz, um Aufgaben zu lösen und Informationen auszutauschen.

Dabei fällt mir auf, dass sich bestimmte Konventionen auflösen. Viele Manager treten sehr leger vor die Webkamera, messen der Qualität ihrer Kamera keine allzu große Bedeutung bei oder geben mit der eigenen Wohnung als Hintergrund meines Erachtens (zu) viel Persönliches preis.


Was hast du im vergangenen Jahr dazu gelernt?

Johannes

Die Pandemie hat meine Selbstorganisation gestärkt. Dadurch, dass sich die Arbeit in die eigenen vier Wände verlagert hat und die Kommunikation mit den Kollegen weniger unmittelbar als im Büro geworden ist, musste ich an vielen Stellen eigenständiger planen und handeln, um die Kundenbedürfnisse weiter jederzeit zu erfüllen. Insgesamt glaube ich, dass wir nun alle insgesamt noch flexibler geworden sind.


Thomas

Dass mehr möglich ist als vorher gedacht – Stichwort Homeoffice. Dass Homeoffice zwar eine gute (und notwendige) Sache in Pandemie-Zeiten ist, aber die Einarbeitung, das Onboarding und das Kennenlernen der Kollegen und Teammitglieder erheblich erschwert. Dass Homeoffice funktioniert: für Mitarbeiter und Kunden, technisch und menschlich. Dass Videokonferenz nicht zwingend Anonymität bedeutet und dass sich unsere Arbeitswelt dauerhaft verändert hat, weil bestimmte „Errungenschaften“ Bestand haben werden.


Was hast du in dieser Zeit besonders vermisst?

Christian

Was habe ich besonders vermisst? Natürlich vermisse ich das Reisen, einen Kinobesuch und meinen Sport nach Feierabend. Aber am meisten vermisse ich die kleinen Selbstverständlichkeiten: Die herzliche Umarmung eines Freundes oder einer Freundin, die man zufällig auf der Straße trifft; den Handschlag eines Kunden oder Bewerbers vor und nach einem Termin. Und bei aller Technik, die uns verbindet, vermisse ich mein Team, unser tägliches Morgenmeeting auf dem Gang in der Agentur, den echten und persönlichen Austausch. Ich vermisse, meinem Team wieder persönlich und nicht über die Webcam für einen gewonnen Pitch oder zum Agentur-Jubiläum zu gratulieren. Zu guter Letzt vermisse ich meinen kleinen Krimi-Buchladen in meiner Straße, der coronabedingt leider schließen musste.


Haben sich in dieser Zeit die Themen verändert?

Matthias

Trotz aller Digitalisierungserfolge und Zusatzservices ist die Logistikwelt am Ende noch immer stark durch den Transport, die Lagerung und den Umschlag physischer Güter geprägt. Journalisten waren und sind an diesen greifbar(er)en Themen stets besonders interessiert. Insofern hat sich aus dieser Warte, so zumindest mein Eindruck nach rund einem Jahr, nichts Gravierendes verändert. Aber wie immer geht es in der PR natürlich darum, die Produkte bzw. Lösungen der Kunden mit den großen Themen der Berichterstattung zu verknüpfen, um vielleicht das eine oder andere Mal auch jenseits der Fachwelt medial wahrgenommen zu werden. Das ist uns im vergangenen Jahr gefühlt häufiger gelungen als „vor Corona“. Die Logistikbranche ist aufgrund ihrer Systemrelevanz während der Pandemie stärker und dabei positiv besetzt in den Fokus der allgemeinen Öffentlichkeit gerückt.

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