Was tun, wenn die Fotografin nicht kommt - Noch mehr Tipps


Bilder machen ist nicht gleich Bilder machen. Aus gutem Grund solltest du für dein Presse- oder PR-Event auch professionelle Fotografinnen und Fotografen engagieren. Doch was tun, wenn diese kurzfristig absagen und Ersatz nicht rechtzeitig da ist? Im ersten Teil dieses Notfall- und Do-It-Yourself-Guides hast du das Wichtigste zu Motiv, Hintergrund und Bildkomposition gelernt – das Bildinnere. Der finale Part widmet sich, ebenso wichtig, dem Bildäußeren und der Nachbearbeitung. Zudem lernst du, was es bei Spiegelreflex- und Systemkameras zu beachten gilt.

Versuche möglichst, mit der Sonne im Rücken zu fotografieren. „Gegen das Licht“ geschossene Bilder legen ihr Motiv in den Schatten oder überblenden den Hintergrund. Wenn es nicht anders geht, versuche die Lichtempfindlichkeit deiner Kamera zu drosseln. Im Notfall stelle die Lichtempfindlichkeit so ein, dass das Motiv gut belichtet ist und der Hintergrund nicht. Umgekehrt ist zu wenig Licht ebenso schlecht. Gerade in Innenräumen solltest du auf genügend Belichtung achten. Aber auch hier gilt, bestenfalls nie in die Lichtquelle hineinzufotografieren.


Flugzeug im Gegenlicht
Scheint die Lichtquelle in die Kamera, ist das Motiv meist überbelichtet.

Nach der Aufnahme ist vor der Bildbearbeitung. Im Idealfall kannst du diese Aufgabe an den Fotografen übergeben, der hierfür nicht vor Ort sein muss. Bis zum Versand der Pressemitteilung oder dem Posting auf LinkedIn gibt es hoffentlich wieder einen Zeitspielraum. Helligkeit, Kontraste sowie auch Komposition können mit professionellen Bildbearbeitungsprogrammen zu gewissen Teilen noch nachkorrigiert werden. Ebenso kannst du Personen oder Gegenstände, die am Bildrand mit reingerutscht sind, durch Zuschneiden aus dem Bild entfernen. Sogar bei der Bildschärfe bieten Programme wie Lightroom oder Photoshop Möglichkeiten, Patzer noch im Nachgang zu korrigieren. Verlassen sollte man sich darauf aber nie.


Musst du auch die Bildbearbeitung selbst bewältigen, empfehle ich auch hier, nur gering an den Stellschrauben zu drehen. Den Horizont etwas gerader ausrichten oder die Helligkeit etwas anpassen ist vollkommen in Ordnung. Auch der Zuschnitt der Bildränder ist okay. An Einstellungen für Farbsättigungen und Luminanz oder Belichtungskurven solltest du nichts verstellen. Hier gibt es etliche Nachwirkungen und Wechselbeziehungen, die es zu kennen gilt. Tabu sind ebenso vorgefertigte Filter, wie du die vielleicht aus Instagram kennen. Natürlich ist es eindrucksvoll, wenn Farben plötzlich stark gesättigt sind oder dein Foto wie ein verkratztes Schwarz-Weiß-Foto aus den 1920er-Jahren wirkt. Mit einem seriösen Presse-Foto hat sowas aber nichts mehr gemein.


Zwei Fotos mit unterschiedlichem Grad von Bildbearbeitung
Links mit leichter und angemessener Bildbearbeitung, rechts mit zu starker Bildbearbeitung. Auch hier gilt: Weniger ist mehr.

Oft ist es auch die Nachbearbeitung, die Gelingen oder Scheitern eines Fotos zum Vorschein bringen. Verschlossene Augen oder störende Elemente im Hintergrund werden auf dem Vorschau-Display oft übersehen. Vor Ort kann es schließlich hektisch zugehen. Es gilt daher, lieber mehr als zu wenig Bilder zu schießen. Variiere dabei gerne auch mit den Bildkompositionen. Besser im Nachgang aus einer Schar von Dateien die bestmögliche Aufnahme suchen, als sich aus wenigen Optionen für das geringere Übel zu entscheiden.

Mit Sicherheit wirst du nicht alles einhalten können, was du nun über das Fotografieren gelernt hast. Doch bereits das Einhalten von einigen der hier erklärten Richtlinien können den Unterschied machen. Wenn du noch ein wenig Zeit hast, übe am besten einfach ein paar Testschüsse. Probiere auch gerne aus, was für Effekte etwa der goldene Schnitt oder die kommunikative Grundstellung bringen.


Solltest du ganz am Ende unsicher sein, ob deine Bilder geeignetes Material für Medien und Social Media sind, hilft dir natürlich deine PR-Beraterin oder PR-Berater weiter. Auch wissen diese was zu tun ist, wenn auf die Schnelle doch noch alternatives Bildmaterial her muss.

Das Wichtigste aus beiden Teilen zusammengefasst:

  • Halte Dinge einfach und unkompliziert

  • Überlegen dir ein passendes und aussagekräftiges Motiv

  • Achte auf einen störungsfreien Hintergrund und Vordergrund

  • Der Horizont sollte gerade sein

  • Positioniere dein Motiv mittig oder nachdem goldenen Schnitt

  • Fotografiere möglichst nie ins Licht hinein

  • Achte auf ausreichend Licht

  • Mache besser mehr als zu wenig Bilder

  • Nimm nur im Notfall die Bildbearbeitung selbst vor

Bonus: Selbst mit der Profi-Kamera fotografieren

Im Idealfall hast du statt Telefon eine Spiegelreflex – oder Systemkamera zur Hand. Nutze mit dieser unbedingt den Automatik-Modus. Selbst wer einige Kenntnisse in Sachen Belichtungszeit, ISO-Wert oder Blendeneinstellung hat, kann in der Aufregung mit dem Einstellen überfordert sein – jede veränderte Einstellung wirkt sich auf die anderen aus! Selbst professionelle Fotografinnen und Fotografen nutzen Teil- oder Vollautomatiken. Bis eine Sportfotografin in der Fussball-Bundesliga etwa das richtige Zusammenspiel aus Blende und Belichtungsdauer gefunden hat, könnte der hitzige Zweikampf auf dem Rasen längst abgepfiffen sein.

Den Automatik-Modus wählt man bei den meisten Kameras über ein Einstellrädchen am oberen oder vorderen Gehäuse. Meist weist ein „A“ auf den richtigen Einstellmodus hin. Hier unbedingt drauf achten, dass jenes Symbol nicht mit einem Plus oder Blitz-Symbol versehen ist. In diesem Fall aktiviert die Kamera ihre Blitzfunktion, die aber selten angebracht ist. Jene Symbole sehen von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich aus. Ein Testschuss klärt schnell, ob der Blitz aktiviert ist oder nicht.


Einstellrad bei einer Canon-Kamera
Einstellrad bei einer Canon-Kamera: In diesem Fall befindet sich die Auswahl der blitzfreien Automatik direkt unter einem A-Symbol.

Bringe ebenso den Fokus in den Automatik-Modus. Hier wird eingestellt, welche Distanz die Kamera scharf stellt. Oftmals ist der entsprechende Schalter am Objektiv, welches die Linse einhäust, und bietet dir ein „On“ oder „Off“ an. Sobald alle Automatiken aktiviert sind, prüfe den Akku. Zumindest sollte dieser halb voll sein. Selbst bei Modellen im Einsteiger-Segment schaffst du damit zwei bis drei Stunden.


Überprüfe anschließend die Speicherkarte. Ist eine vorhanden? Und hat diese genug Speicherplatz? Um dir einen Richtwert zu geben: Auf Fotoreportagen bin ich mit 32 Gigabyte über ganze Tage gekommen. Geht deine Veranstaltung nur zwei bis drei Stunden, sollten 8 Gigabyte ausreichend sein. Auf der ganz sicheren Seite bist du übrigens mit einer Ersatzspeicherkarte. Dass SD-Karten plötzlich versagen und statt Bilder Fehlmeldungen auf das Vorschau-Display senden, kommt sehr selten vor, kann aber tatsächlich die Verewigung eines einmaligen Augenblickes vereiteln – glaube mir, ich durfte das auf die schmerzhafte Tour lernen.


Zuletzt rate ich dir, immer die Handykamera als Backup dabei zu haben. Dies nicht nur für den Fall, dass die Spiegelreflex- oder Systemkamera plötzlich versagt (unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich). Solltest du merken, dass die gehobene Kamera Sie doch überfordert, kannst du stets auf das vertrautere Telefon zurückgreifen. Besser ein okay aufgelöstes Foto mit gutem Motiv und sitzender Komposition als ein Fehlschuss in Hochauflösung.


Und nun zuallerletzt: Hast du die Möglichkeit, eine professionelle Fotografin oder Fotografen zu engagieren, dann nutze die Möglichkeit. Schließlich ist dies hier ein Notfall-Guide. In Zeiten von Social Media wissen erfahrene und versierte Bildermacher:innen umso mehr, deine Botschaften in den weiten Bilderfluten von Instagram, LinkedIn oder Facebook hervorzuheben. Für spontane Absagen bist du nun aber gewappnet.

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